Geschichte

Die Brienz Rothorn Bahn - ein Unternehmen mit Tradition. Bereits 1891 erreichte die erste Dampflokomotive den Gipfel vom Brienzer Rothorn.

Vor dem Bahnbau

Das Brienzer Rothorn war schon vor der Eröffnung der Rothornbahn ein Begriff. 1829 wurde der Punkt, an dem die Grenzen der Kantone Bern, Luzern und Obwalden zusammentreffen, mit einem Granitstein markiert. Das Rothorn war nebst dem Faulhorn einer der berühmtesten Aussichtspunkte im Berner Oberland. Wie und wann das Rothorn zu seinem Namen kam, ist ungewiss. Eine Sage erzählt, dass Obwaldner Sennen, die auf Luzerner Boden Alpen besassen, anno 1380 einen Entlebucher in einem Kessel voller Schotte gesotten haben sollen. Ein Wächter, der solche Missetaten verhindern sollte, soll bei einem weiteren Überfall so stark in sein Harsthorn geblasen haben, dass er dabei an seiner Kraftanstrengung gestorben sei und sein Horn sich von Blut rot gefärbt habe. In der Schweiz gibt es rund drei Dutzend Rothörner, wovon 17 im Wallis und 11 im Berner Oberland sind.

Die Erbauer der Bahn

Mit dem Bau der Rigibahn wurde 1871 bewiesen, dass Dampflokomotiven sogar Berge bezwingen können. Das Berner Oberland wollte mit der Zentralschweiz touristisch mithalten und 1889 bildete sich ein Komitee aus touristisch interessierten Brienzern, unter der Leitung des in Luzern lebenden deutschen Ingenieurs A. Lindner (rechts im Bild). Ihn faszinierte damals, mit dem Bau der Rothorn Bahn die höchste Bergbahn der Welt zu erbauen. A. Lindner war ein gut ausgewiesener Eisenbahnfachmann und arbeitete unter anderem auch an der Gotthardbahn. 1890 verfasst er die "Denkschrift zum Projekt einer Eisenbahn aufs Rothorn". Mit dem Bahnbau wurde der Lenzburger Baumeister T. Bertschinger (links im Bild) betraut. Er hatte mit dem Bau der Seetalbahn bereits Erfahrung und wagte es deshalb auch, den Auftrag inkl. Rollmaterial zu einem Pauschalpreis zu übernehmen. Später baute er unter anderem auch die Lauterbrunnen-Wengen Bahn.

Der Bahnbau

1889 erteilte die eidg. Bundesversammlung die Konzession zum Bau der Bahn und bereits im Sommer des gleichen Jahres wurde mit den Bauarbeiten begonnen. In einem zeitgenössischen Bericht hiess es über den Bahnbau folgendes:
"Da entwickelte sich nun ein reges und buntes Leben am Berg, indem sofort oben und unten, an den Schutthalden wie in den Felspartien, die Arbeiten in Angriff genommen wurden. Eine nicht geringe Herausforderung war auch die Verpflegung der Arbeiter, für welche selbst Krankenhäuser angefragt wurden. Der höchste Stand der Arbeitskräfte belief sich auf 640 Mann, meist Italiener, die in neuen Baracken wie in alten Berghütten untergebracht wurden."

Am 31. Oktober 1891 erreichte die erste Dampflokomotive den Gipfel vom Brienzer Rothorn. Die Betriebseröffnung fand am 17. Juni 1892 statt und bis 1914 fuhren die Dampfzüge während den Sommermonaten regelmässig aufs Brienzer Rothorn. Bei Ausbruch des Ersten Weltkrieges musste der Betrieb eingestellt werden und konnte erst 1931, nach 16 Jahren Stilllegung wieder aufgenommen werden. In der Zwischenzeit war die Brienz Rothorn Bahn zur einzigen Dampfzahnradbahn der Schweiz geworden, alle anderen Bahnen wurden elektrifiziert. Jetzt wurde der Wert des Brienzer Rothorns und seiner Bahn entdeckt und gewürdigt. Sie stellt heute eine lebendige Erinnerung an die vergangenen Zeiten der Dampfromantik dar.